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Die Podcast-Premiere: Zwei Herzensargentinier reden sich um Kopf und Magen

von CHRISTOPH WESEMANN

Wacho Chorro (r.) empfängt sein Honorar.

Montevideo/Uruguay ♦ Leser des Argentinischen Tagebuchs kennen ihn schon, el famoso Wacho Chorro, unseren Mallorca-Korrespondenten und Europa-Kantinenchef, »Kopf und Leber« der Borrachos Bornheim vom FSV Frankfurt. Wir haben ihn aus Buenos Aires einschippern lassen – zu einem tiefgründigen, ungeschnittenen Gespräch über Fußball, Frauen, Fleisch und Folklore, über Argentinier und seine Nachbarn, über den Río de la Plata und seine Wellen. Viel Vergnügen.

Abschlusstraining (2)

von CHRISTOPH WESEMANN

Logo des WM-Tagebuchs - Zeichung: Danü (Daniel Schlierenzauer)

Unser Spaniologe Marc Koch empfiehlt Ronald Reng, der so viele großartige Bücher über Fußball und Fußballer geschrieben hat, unter anderem die Biografie von Robert Enke. Reng erbricht sich köstlich − erst auf seiner Facebookseite, dann noch einmal in der Taz. Übelkeit haben ihm all die verursacht, die den spanischen Fußball a) nicht verstehen, b) für tot erklären oder c) beides. Wir haben im Blog zwar einen Nachruf veröffentlicht, einen fabelhaften übrigens. Aber zugleich klargemacht: Die Spanier werden spätestens in vier Jahren wieder eine Macht sein. Trotzdem streue ich Asche auf mein Haupt, denn beim ersten Punkt hat mich Reng tatsächlich erwischt:

Vollidioten, labert weiter Blödsinn!

1. So oft es auch wiederholt wird: Das spanische Spiel von den kontinuierlichen Passkombinationen heißt nicht Tiki-Taka, sondern el toque, zu deutsch: »die Berührung des Balles«. Tiki-Taka war ein Schimpfwort des rustikalen spanischen Nationaltrainers der Neunziger, Javier Clemente, der damit das samtene Passspiel der Barca-Schule verspotten wollte: »dieses Tiki und Taki«. Weiterlesen

Fußball ist bekanntlich nur die schönste Nebensache der Welt. Es gibt viel Wichtigeres. Aber das kann mitunter in die Verlängerung gehen − jedenfalls in Argentinien, wie Helge in seinem Blog Me llaman Jorge erzählt:

Das Bürokratiemonster

Es fing aber damit an, dass die behandelnden Ärzte in einem Krankenhaus am anderen Ende der Stadt praktizieren, was ungeheuer praktisch ist, weil Rezepte hier grundsätzlich nicht per Post verschickt werden. Kostet ja Geld. Und außerdem müsste jemand zur Post laufen und dort Schlange stehen. Die Postämter werden nämlich auch als Auszahlstellen für Sozialhilfe in jeglicher Form mißbraucht. Und Briefkästen zum Einwurf hab ich glaube ich zuletzt 1995 gesehen. Weiterlesen

Es ist nicht unsere Art, auf unseren kleinen Nachbarn herabzuschauen, zumal Fußballexoten ja eine Weltmeisterschaft auch irgendwie bereichern. Aber man wird wohl noch daran erinnern dürfen, wem die Chilenen ihre tolle Mannschaft verdanken. Uns! Argentinien! Javier Caceres hat Nationaltrainer Jorge Sampaoli vor einigen Tagen in der Süddeutschen Zeitung porträtiert:

Der Weltmeister-Überlister

Sampaoli wurde in einem argentinischen Provinznest der echten, nicht der sprichwörtlichen Pampa geboren: Casilda, wo es »47 Straßen, vier Plätze und das Recht auf Siesta« gibt, wie die chilenische Zeitung El Mercurio recherchierte. Er hätte eigentlich Profi werden wollen und war bei Newell’s Old Boys aktiv. Weiterlesen

Toller Typ, Argentiniener halt.

Noch was ohne Text, einfach nur Bilder: Fußballer der WM und ihre Doppelgänger. Mit dabei sind drei große Schauspieler: Steve Buscemi, Robert De Niro und Chuck Norris. Hier geht’s lang.

 

Andrés, San Iker und der Brunnen vor meiner alten Wohnung

von MARC KOCH (Gastbeitrag)

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Marc Koch ist Lateinamerika-Korrespondent der Deutschen Welle und lebt in Buenos Aires.

Das ist der traurigste Tag eines langen Fußballlebens.

Ich habe sie 2006 bei der WM in Deutschland aussteigen sehen. Und dann aufsteigen. Jedes Vorbereitungsspiel auf die EM 2008 habe ich mitgemacht. Habe stundenlang Luis »el sabio« Aragonés interviewt, den inzwischen in die ewigen Strafräume eingegangenen spanischen Trainer, den sie den Weisen nennen. Habe verstanden und akzeptiert, warum Raúl, der die Nummer 7 bei Real Madrid hatte, als Cristiano Ronaldo noch im Internat Stühle nach seiner Lehrerin geworfen hat, nicht mehr mitmachen durfte. Ich war Zeuge der Geburt von Tiki-Taka. 33 Spiele lang ungeschlagen.

Dann kam das Turnier 2008. Pässe, bei denen wir vor der Glotze vor Glück niedergekniet haben. Geistesblitze aus dem Mittelfeld, die dem Gegner nur so um die bleischweren Beine gezuckt sind. Paraden von San Iker, dem größten Fußballgott seit Toni Turek. Nach dem Elfmeterschießen im Viertelfinale (mein Gott, ich muss den Text bei meinem Auftraggeber abliefern. Aber das habe ich jetzt doch noch dreimal angeschaut!!) bin ich der Bürgerinitiative »Calle de la madre que parió a Iker Casillas« beigetreten, die einen Straßennamen für Ikers Mutter im Madrider Vorort Mostoles gefordert hat.

 

Sprints von Fernando »El Niño« Torres, der die deutsche Abwehr einfach überlaufen hat. Der deutsche Verteidiger hieß übrigens Lahm. Und sah auch so aus.

Nach dem Finale musste ich in den Brunnen vor meiner damaligen Wohnung in Madrid steigen, um die Fans zu interviewen. Nie wieder habe ich so viel sympathischen und unverstellten Stolz auf ein Fußballteam erlebt. Dieses Team war ein Vorbild: Seit »el Niño« Torres bei Liverpool und später bei Chelsea vom fußballverliebten Kind zum fußballspielenden Mann gereift ist, hat jeder Spanier unter 30 begriffen, dass es nicht schadet, auch die Welt auf der anderen Seite der Pyrenäen ein bisschen kennenzulernen.

2010, Südafrika. Niemand hat wirklich an den Titel geglaubt. Außer mir. Vor meinem Kölner Balkon wehte die spanische Fahne. Der Spott der Sportkollegen, nach dem 0:1, das die Schweiz San Iker ins Tor gestolpert hatte, war kurz. Aber heftig. Dann lief die Ballmaschine wieder. Und konnte im entscheidenden Moment auch mal alle Eleganz kurz weglassen: Carles Puyol, die Abrissbirne im deutschen Strafraum, mit dem 1:0. Dann Finale. Gegen kloppende Holländer. Robben hatte sich damals noch nicht im Griff. Dafür hatte Andrés Iniesta, der wachsbleiche Engel aus einem Ort in der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, den Fuß an der richtigen Stelle.

Weltmeister.

 

Irgendwann, während der Eröffnungsfeier der EM 2012, plötzlich dieses komische Gefühl im Bauch. Erster Gedanke: Das ist die chemisch-verpanschte Plörre aus Quilmes, die der Argentinier Bier nennt. Zweiter Gedanke: Psalm 33, 11: »Aber der Ratschluss des Herrn bleibt ewiglich.« Heißt: Alles andere vergeht. Auch große Mannschaften. Über dem 2012er-Titel schwebte schon eine dunkle Wolke wie eine Warnung. Xavi »el profesor« Hernández zeigte erste Abnutzungserscheinungen. Körperlich. Und auch geistig.

Aber nach dem Finale stand ich mit der spanischen Fahne über den Dächern von Buenos Aires und hab’ den Balotelli gemacht.

Haha! Scherz!

Es musste so kommen. Dieser 18. Juni 2014 war unvermeidlich. Absehbar. Nicht nur, weil der verhaltensauffällige Trainergeck José Mourinho Iker Casillas bei Real Madrid zermürbt hat. Nicht nur, weil Xavi mehr Spritzen in den Achillessehnen hat als ich Haare auf dem Kopf. Nicht nur, weil Diego Costa, der plumpe Stoßstürmer alter Schule, im eleganten Salon des spanischen Fußballs allenfalls den schönen Teppich zertrampelt. Nein, es war einfach Zeit. Es hätte nicht jetzt sein müssen. Und auch nicht so. San Iker, der durch die Grashalme krabbelt. Sergio Ramos mit Doppelklebeband unterm Schuh, der Robben hinterherschaut. Aber irgendwann musste es sein.

Oliver Pocher, ein deutscher TV-Moderator und auch sonst von mäßigem Verstand, hat nach dem Spiel gegen Chile getwittert:

 

Auch von Fußball versteht er nichts. Denn Spanien kommt wieder. Aus den Fußballschulen wird die Generation Tiki-Taka 2.0 erwachsen. Zu viele Jungs zwischen Málaga und A Coruña, zwischen Valencia und Badajoz haben in den letzten acht Jahren gesehen, was schöner, moderner Fußball ist.

Und wer hat’s erfunden? Eben. Und nicht die Schweizer. Wir sehen uns 2016. Nach dem Finale. Im Brunnen vor meiner alten Wohnung in Madrid.

Te queremos de todo corazón, Furia Roja.

Epilog: Nie wieder nicht

von CHRISTOPH WESEMANN

Hätten am letzten Abend, als wir am Strand von Valparaísos Nachbarort Viña del Mar den Sonnenuntergang erwarteten, nicht diese drei chilenischen Jungs versucht, uns zu beklauen, wäre Herr T. wahrscheinlich noch viel genervter von mir gewesen.  Aber so war ich nur auf Platz vier. Herr T. ärgerte sich weniger über die Absicht des Trios, uns ein paar Sachen abzunehmen, sobald wir ins Wasser gegangen wären. Wütend machte ihn vor allem, dass die Bande von Kleinganoven – keiner älter als 14! – hinter unserem Rücken vor anderen Badegästen damit geprahlt hatte, uns auszurauben. Dass sie sich ihrer Sache so sicher war. Dass sie keinen Respekt vor uns hatte. Dass sie uns für so dämlich hielt.

Viña del mar

Ach Chile! Ich wurde ja als Argentinier gelegentlich diskrimiert. Einmal verstand mich die Frau am Metroschalter absichtlich nicht, so dass der urdeutsche Herr T. unsere Fahrkarten nach Viña del Mar kaufen musste. Dort angekommen, war es mir unmöglich, den Bahnhof zu verlassen. Wieder und wieder führte ich meine Metro-Chipkarte am Ausgangsdrehkreuz ein, um den Fahrpreis abbuchen zu lassen und gehen zu dürfen. Nichts geschah. Hinter mir ein Stau von neunmalklugen Chilenen: »Need money!« Längst auf der Treppe, schon beschienen von der Sonne, der grinsende Deutsche. Pure Schikane eines Argentiniers, gespeist offenbar aus einem chilenischen Minderwertigkeitskomplex. Irgendwann handelte ich mich am Schalter frei und durfte außen ums Drehkreuz herum.

Vorgeschichte und erster Teil: Exil in Chile

Zweiter Teil: Drei Erdbeben, zwei Deutsche und ein René in Chile

Dritter Teil: Die Vermessung des Paradiestals

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(Der dritte Mann) Und, meine Herren, verreist ihr noch mal gemeinsam?

(cw) Mit dem?

(Herr T.) Nie wieder!

(Der dritte Mann) Paraguay?

(Herr T.) Wann?

(Der dritte Mann) Vielleicht im Februar.

(cw) War ich noch nie, in Paraguay.

(Herr T.) Ich auch nicht.

Müll, Zoff, Erbrochenes

von CHRISTOPH WESEMANN

Herr T., der Streber, hat natürlich noch einen eigenen Chile-Reisebericht angefertigt. Nicht drei Teile, sondern fünf Kapitel: Die Fahrt, Die Ankunft, Von Bergen und Kraken, Hola Linda!, Paradiestal.

Meine drei Lieblingsstellen:

In der Fußgängerzone kauft sich CW einen … ich weiß gar nicht richtig, wie das heißt. Ah! Mote con Huesillos. Danke Wikipedia! Es handelt sich dabei um einen Saft aus Getreide, mit Getreide und Pfirsich. Wie wild trinkt CW den Saft, rührt das Getreide jedoch nicht an. Es sei ihm suspekt, sagt er. Warum dann überhaupt kaufen? Ich esse es auf.Es schmeckt nach nichts, Konsistenz von Müsli. CW will sich später noch einen kaufen, sieht aber, wie ein Obdachloser sich selbst einen Becher mixt und stellt dann erschreckend fest, dass Mote con Huesillos in seiner Optik von Erbrochenem nicht zu unterscheiden ist.   Nun spuckt er aus, sobald wir einen Stand passieren. (…)

Mit CW gehe ich noch essen, wir plaudern. Man versteht sich. Ist das etwa Harmonie?Am Abend bin ich erschöpft. Zu viele Eindrücke, zu viel CW die letzten Tage. Ich schlafe mit Klamotten auf meinem Bett ein. Im Halbschlaf höre ich CW mehrfach fordern, mich doch bettfertig zu machen…Ich wache mitten in der Nacht auf. Um mich herum Müll, den er mir scheinbar ins Bett geworfen hat, um seinen vorherigen Argumenten Ausdruck zu verleihen. Danke Cw! (…)

An der Grenze das große Drama. CW schreit mich an. Ich hätte seine letzten Sandwiches gegessen. Habe ich auch. Aber warum schreit er mich an? Habe ich ihn doch vorher darauf hingewiesen, dass er die essen müsste, bevor wir an die Grenze kommen, grunzte nur zurück, dass ich machen solle, was ich will… Er müsse arbeiten…

Reisebericht (III): Die Vermessung des Paradiestals

von CHRISTOPH WESEMANN

Die letzten Tage in Chile. Langsames Abschiednehmen für unsere zwei Helden, von unseren zwei Helden. Vorher aber noch ein Aufbruch: Valparaíso! Das Paradiestal, bejault von Sting, ein Sehnsuchtsort, den der Liedermacher Reinhard Mey seine Ulla, die durchgebrannte Jugendliebe, nie erreichen lässt. Die Vermessung der Welt wird als bekannt vorausgesetzt, Wandererfahrung ebenfalls.

Auf dem Gipfel

Vorgeschichte und erster Teil: Exil in Chile

Zweiter Teil: Drei Erdbeben, zwei Deutsche und ein René in Chile

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  • Mittwoch: Santiago → Valparaíso

(cw) Ich komme endlich dazu, die Wikipedia-Einträge über Chile und Santiago zu lesen; ich habe sie nicht ausgedruckt, sondern zu Hause in Buenos Aires im pdf-Format gespeichert und dann auf meinen Kindle gepackt. Ich würde mich wie ein Nerd fühlen, wären da nicht die Schriftgröße (dreipunktfünf) und Herr T. Der ist richtig multimedial. Vor drei Tagen im Bus hat er mit seiner Kamera die Anden geknipst (meine ist größer!), mit seinem Smartphone gefilmt (beide gleich groß), mit mir geplaudert (mehr Unsinn von ihm) und bekanntlich meinen Mate gehalten. Das wirkt auf mich so übermenschlich, dass ich manchmal denke: Herr T. ist ein Avatar.

Blick auf Valparaíso vom Hügel Bellavista

Ich lese, dass der Erfinder des Fallrückziehers ein Chilene war, weshalb der Fallrückzieher in Südamerika auch la chilena heißt. Außerdem hat Chile das höchste Pro-Kopf-Einkommen des Kontinents und ist von Norden nach Süden 4300 Kilometer lang. Das Land hat 15 Regionen, die mit römischen Zahlen durchnummeriert sind, wobei es die 13 nicht gibt. Ich nehme an: Aberglaube. Santiago ist übrigens die Partnerstadt von Buenos Aires und Kiew. Und man erreicht von der Hauptstadt den Pazifik zum Baden genauso schnell wie die Anden zum Skifahren.

Aber jetzt sind wir schon in Valparaíso, der berühmten Hafenstadt, 120 Kilometer oder zwei Busstunden entfernt von Santiago. Haben wir denn schon ein Zimmerchen, Herr T.?

Standseilbahn zum Bellavista

(Herr T.) Jetzt zitiert er auch noch ständig Wikipedia-Einträge. Naja, manchmal doch ganz interessant.

Wir sind gerade auf dem Hügel Bellavista gewesen, den man mit einer Standseilbahn erreicht. Nun laufen wir bergab und wollen im Pazifik baden. Wo lang? CW quatscht einen älteren Herrn an, der in seinem Vorgarten die Rosen gießt. Es wird nicht klar, wer wen mehr braucht und redseliger ist. Keiner der beiden Männer scheint einen Frisör zu haben (bei CW ist’s offensichtlich), um sich mal auszusprechen. Jeder wirft dem anderen seine halbe Lebensgeschichte über den Gartenzaun.

(cw) Der Mann versteht unseren Wunsch, baden zu gehen, einfach nicht. Also, entweder ist er ein bisschen schwer von Begriff. Oder der Pazifik ist noch nicht so warm, wie wir glauben.

(Herr T.) Ich mache eine furchtbare Entdeckung: CW ist Exhibitionist! Kaum am Strand angekommen, entkleidet er sich. Aus Rücksicht auf die anderen Strandbesucher biete ich CW an, ihm das Handtuch zu halten. Doch er lehnt bestimmt ab und wechselt schutzlos Badehose gegen Schlüpfer. Weitere Details erspare ich mir.

(cw) Ich bin doch keine 16 mehr. Und außerdem verheiratet.

(Herr T.) CW steht jetzt bis zum Knie im Wasser, weit und breit kein anderer, kommt aber nicht so richtig voran. Ich mache kurz die Augen zu, und als ich nach fünf Minuten wieder den Kopf hebe, taucht CW für einen Wimpernschlag bis zur Brust ab. Dann sprintet er heraus, zieht mir mein Handtuch weg und winselt.

Zentrale der chilenischen Marine

(cw) Fest steht: Schwer von Begriff war der Alte am Gartenzaun nicht. 13 Grad, höchstens 14. Die chilenische Marine hat in Valparaíso übrigens ihr Hauptquartier. Und immer am 21. Mai ist der Staatspräsident in der Stadt, um vor dem Nationalkongress zu sprechen, der am Ende der Pinochet-Diktatur hierher verlegt wurde.

(Herr T.) CW und sein fundiertes Halbwissen. Ich geh dann auch mal planschen.

(cw) Wie heißt dieser Vogel, der immer auf einem Bein steht? Richtig. Herr T. macht jetzt den Flamingo und hebt abwechselnd ein Bein aus dem Wasser. Er geht nicht weiter. Großer Fehler. Nach drei Minuten im Pazifik beginnen die Beine fürchterlich zu brennen, man spürt die Füße kaum noch. Drei Meter neben Herrn T. taucht ein Chilene ab und fünf Meter weiter wieder auf, macht einen Handstand und treibt eine Weile auf den Rücken. Ich glaube, gleich rasiert er sich. Herr T. sieht sich um, schaut erst zum Horizont und dann eine Ewigkeit auf die Wasseroberfläche; entweder hat er irgendwas verloren, oder kommt von seinem Spiegelbild nicht los, der Pfau.

Der Chilene schwimmt jetzt ein bisschen raus. Herr T. kommt raus, die Badehose staubtrocken, wird von mir mit Hühnerlauten empfangen und dreht gleich wieder um. Und dann ist er tatsächlich mit dem Kopf unter Wasser. Das Ein- und Auftauchen geschah ein bisschen zu schnell für meine Augen, sind ja gerade auf 3punkt5 eingestellt. Aber ich denke, wir können den Versuch werten.

(Herr T.) Woher soll ich wissen, dass das Wasser wirklich so kalt ist? CW übertreibt doch sonst immer.

(cw) Eine Stunde gemeinsam schweigen.

(Herr T.) Endlich.

Große Melonen

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  • Mittwochabend: Valparaíso

(cw) Wikipedia schwärmt von der Altstadt mit den Künstlervierteln Alegre und Concepción, die auch auf einem Hügel liegen. Auf geht‘s!

(Herr T.) Wir haben die ersten 100 Treppenstufen gemeistert, als ein Wunder geschieht. Zum ersten Mal auf dieser Reise – vielleicht auch in seinem Leben, wer weiß das schon? –, sagt CW die Wahrheit. Im Angesicht des Uniformierten, der uns aufhält, behauptet er nicht länger, ein Argentinier oder gar ein Porteño zu sein.

»Wo kommt ihr her?«, fragt der Polizist.

»Wir sind Deutsche«, sagt CW wie aus der Pistole geschossen und fügt ganz leise, kaum verständlich hinzu: »Aber ich lebe in Buenos Aires.«

Der Polizist schickt uns zurück. Viel zu gefährlich für Touristen um diese Uhrzeit, sagt er. Zittert der falsche Porteño? CW wird fortan ständig auf der Hut sein, sich umsehen und manchmal vor seinem Schatten erschrecken.

Treppen

(cw) Ich habe dem freundlichen Polizisten ja gleich die Hand geschüttelt, ich meine, ich habe gewissermaßen Brücken gebaut – über zwei Kontinente und zig Kulturen hinweg. Der Ordnungshüter und ich waren kurz davor, ein Bier trinken zu gehen. Herr T., der Untertan, aber hat mit seinen handschellensüchtig nach vorn gestreckten Armen alles zerstört.

(Herr T.) Brücken bauen? CW hätte den kaputten Bürgersteig neu pflastern können, so tief hat er gekniet. Na ja, wir nehmen’s sportlich und drehen um, gehen die 100 Stufen wieder hinab, laufen eine Straße weiter und gehen wieder 100 Stufen hinauf.

(cw) Es hat sich gelohnt, wir entdecken ein tolles Restaurant mit Terrasse in luftiger Höhe und schauen, wie die Sonne im Pazifik versinkt.

Herr T. übersieht geiles Restaurant (links).

(Herr T.) Ach ja, wir haben ein Zimmer, wieder in einem Hostel, wieder viel zu teuer, aber diesmal beherrscht von einer strengen Herbergsmutter statt von netten Damen aus Deutschland. CW hat sie schon kennen gelernt, als er am Nachmittag mit der Kreditkarte unsere zwei Übernachtungen bezahlen wollte. Die Alte holte tief Luft, bleckte ihre Zähne und schnaufte: »Solo en efectivo!« Frei übersetzt: Nur Bares ist Wahres.

(cw) Ich beginne, Die Vermessung der Welt zu lesen.

(Herr T.) Ich begrüße CWs Interesse an den Büchern Daniel Kehlmanns.

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  •  Donnerstag: Valparaíso

(cw) Auf zum Haus des größten chilenischen Dichters. Jeder in diesem Land kann angeblich ein Gedicht von Pablo Neruda (1904-1973), dem 71er-Literaturnobelpreisträger, zitieren. Auf nach Isla Negra! Wo die Menschen sind. Viele Menschen! Oder doch nicht? Ach, wir geben uns heute zivilisationsmüde, wir laufen lieber los in die Einsamkeit, kehren der Stadt den Rücken, wollen hoch bis zum letzten Haus auf einem dieser Hügel.

Paradies im Tal

(Herr T.) Schon wieder Wikipedia. Und nun auf den Berg? Ich habe keine Ahnung, was das soll.

(cw) Ich führe die Expedition an.

(Herr T.) Die sonnenverbrannte Nase des Expeditionsführers beginnt zu pellen. Sein Hemd ist am Rücken nass. Wir sind erst 20 Minuten unterwegs und schnaufen schon. Taxis fahren an uns vorbei und kommen fünf Minuten später von oben zurück.

(cw) Immer weiter! Es tut so gut. Ich fühle mich wie Alexander von Humboldt. Ich würde gern ein paar Pflanzen aufschneiden. Der Ojos del Salado, mit 6893 Metern der höchste Berg Chiles, ist übrigens auch der höchste Vulkan der Welt. Vielleicht besteige ich den heute auch gleich noch. Immer weiter! Immer weiter!

Aufstieg

(Herr T.) Zum Schrecken der Chilenen, die uns kritisch beäugen, entkleidet sich der Expeditionsführer jetzt und präsentiert seine Hühnerbrust.

(cw) Die ersten Telefone des Landes gab es 1880 übrigens in Valparaíso. Bis 1914, als der Panamakanal eröffnet wurde, war Valparaíso der erste größere Hafen, den Schiffe ansteuerten, nachdem sie Kap Hoorn gemeistert hatten. Die Oberleitungsbusse von Valparaíso sind heute die letzen ihrer Art in ganz Chile. Rodrigo Andrés González Espindola ist in Valparaíso geboren. 1968. Rod! Die Ärzte! Und ein schwarzer Hund läuft uns hinterher.

(Herr T.) Goethe hat zu Recht seinem Mephisto die Gestalt eines schwarzen Hundes gegeben. Irgendwas stimmt mit dem Tier nicht. Mit CW sowieso nicht. Wieso quatscht der eigentlich so viel? Ärzte? CW wird doch nicht schlappmachen, oder? Ich krieg hier doch niemals einen Krankenwagen hoch.

Herr T. fingert nach rotem Auto.

Am roten Auto

(cw) Ein Kiosk, vermutlich die letzte Verpflegungsstation vor dem Gipfel. Ein Junge spielt Fußball gegen den Berg. Er tritt den Ball und wartet, dass er zurückrollt. Herr T. hält ein Schwätzchen mit der Kioskbesitzerin und kauft Cola. Der Kerl ist ja wirklich mit allen Abwassern gewaschen. Hat er wahrscheinlich bei der Tour de France gesehen: Cola vor dem letzten Anstieg gibt noch mal einen richtigen Schub.

(Herr T.) CW hat sich inzwischen mit dem Jungen bekannt gemacht. Sie spielen Fußball miteinander, der Junge schießt bergauf, CW bergab. Man muss sich das vorstellen: Dieser Junge wird wahrscheinlich niemals Deutschland sehen. Sein Bild von Deutschland, das ihn ein Leben lang begleiten wird, ist dieser Mann. Wenigstens hat CW sein Hemd wieder angezogen.

  Alexander von Humboldt (am Ball) mit Alejandro

(cw) Wenn das kein Zeichen ist: Der Junge heißt Alejandro. Alexander! Und er ist Fan des Klubs Colo-Colo, von dem ich in Santiago für meinen Sohn und mich Trikots gekauft habe. Ich frage ihn, wie oft der Ball schon den Berg hinabgerollt sei. Er weiß es nicht.

(Herr T.) Oh je, der Aufstieg ist echt nicht ohne. Ich muss mich selbst daran erinnern, mich hin und wieder umzudrehen, um die Aussicht zu genießen. Aus Asphalt wird Sand, aus Straßen werden Feldwege. Je höher wir kommen, desto provisorischer werden die Häuser. Je höher wir kommen, desto verständnisloser schauen die Leute. Wo wollen die Zwei bloß hin?

(cw) Wenn ich stehen bleibe, zittern meine Beine. Ich frage Herrn T. jetzt alle 500 Meter, wie er heiße. Herr T., sagt er, so heiße er. Er scheint noch fit zu sein. Der Expeditionsführer in mir ist beruhigt. Keine Verluste.

Hund wech

(Herr T.) Mir scheint, CW steigert sich da in etwas hinein.

(cw) Der Hund bleibt zurück. Ganz plötzlich. Den Hund, sagt Herr T., habe er nie leiden können.

(Herr T.) Endlich bleibt das Viech zurück. Ich hatte schon Angst, dass CW es mit ins Hostel nehmen will. (Ich hab den Hund noch nie leiden können.)

(cw) Ich mache mir Vorwürfe, ich hätte dem Hund etwas von meinem Wasser geben müssen. Ich habe ihn nicht gut behandelt. Den Hund, sagt Herr T., habe er nie leiden können.

(Herr T.) Jetzt faselt der seit einer Viertelstunde nur vom Hund. Ich will endlich oben ankommen. Unser Wasservorrat wird knapp. Die Flasche ist fast leer. Und die Sonne kennt wirklich keine Gnade.

Letzte Meter

Fast oben

(cw) Die letzten Meter. Rechts und links nur noch Hütten, an deren Türen manchmal ein Weihnachtsmann hängt. Ich schaue zurück und meine, den Hund ganz weit entfernt zu sehen. Von überall Gebell. Den Hund, sagt Herr T., habe er wirklich nie leiden können.

(Herr T.) Weihnachtsdekoration bei den Temperaturen hat etwas Seltsames. Es passt nicht ins Bild. CW legt erstaunliches Tempo vor. Plötzlich bleibt er stehen und versucht, ein Foto zu machen. Ich frage ihn, was so lange dauert. Es tue ihm leid, sagt er, aber er habe Schwierigkeiten, sich zu sammeln.

Ganz oben

Ganz oben 2

(cw) Mein Leben zieht an mir vorüber. Der Kleinstadtjunge, der immer Unterschätzte, der Ungeliebte, Verstoßene, Ausgestoßene, Abgestoßene, für verrückt Erklärte, der Unterdrückte, Weggedrückte, der Ungewollte, fortwährend Ausgelachte, der schaut jetzt herab auf Valparaíso und steht auf dem Dach der Welt. Hahahahahaha! Vielleicht vertrage ich auch einfach die Höhenluft nicht. Oder habe einen Sonnenstich.

(Herr T.) Ein paar Meter haben gefehlt, wir waren nicht ganz oben. CW sagt, wir könnten behaupten, ganz oben gewesen zu sein.

(cw) Das habe nicht ich gesagt.

Epilog folgt.

Reisebericht (II): Drei Erdbeben, zwei Deutsche und ein René in Chile

von CHRISTOPH WESEMANN

Nicht mal eine Woche für Chile. Nur drei Tage für Santiago. Immer an der Oberfläche treiben. Touristenschicksal. Unsere zwei Helden versuchen es jetzt doch mal: bisschen tiefer rein, unter die Oberfläche. Auf geht’s!

(Vorgeschichte und erster Teil)

  • Dienstag: Santiago

(cw) Herr T. sucht immer Anschluss. Im Hostel hängt er dauernd mit den deutschen Mädels herum. Ich meide ja solche Kontakte, weil ich mittlerweile so tief ins Latinospanisch eingetaucht bin, dass mir in meiner Muttersprache manchmal die Wörter nicht mehr einfallen. Vor unserer Abreise aus Buenos Aires hat Herr T. in diesem Internetforum namens Couchsurfing sogar der chilenischen Jugend mitgeteilt, dass wir bald in Santiago seien. Er wollte wohl eine kostenlose Stadtführung schnorren.

Jetzt hat er einen Chilenen aufgetrieben, den er über seine Arbeit kennt.

(Herr T.) Wir brechen auf zum Treffen mit René, einem freundlichen Chilenen, der uns einen Tag lang herumführen wird. In seinen Mails hat er uns einen Ort versprochen, den Touristen nur selten aufsuchen würden. Es stellt sich heraus, dass er den Hügel San Cristóbal meinte, den wir gestern bereits besucht haben. Also fahren wir erst einmal in sein Büro. René arbeitet für die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal).

(cw) Habe ich schon erwähnt, dass Herr T. versprochen hatte, alles perfekt zu organisieren?

(Herr T.) René ist ein Charmeur. Sämtliche Damen werden als »die wichtigste Frau in der Firma« bezeichnet und stets mit »¡Hola Linda!« (»Hallo, Hübsche!«) begrüßt. CW, der Latinospanischtiefentaucher, nimmt mich zur Seite: »Findest du das nicht seltsam, dass hier alle Weiber Linda heißen?«

Ich antworte nicht.

René und Herr T.

chile 2

(cw) Eine Runde Landeskunde: René erzählt, dass es in Chile keinen Rassismus gebe, sehrwohl aber einen Klassismus – die Ober- und Mittelschicht schaue herab auf die Unterschicht, Hautfarbe und Herkunft egal. In Südamerika sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich sehr groß, viel größer als in Europa. Doch nirgendwo auf dem Kontinent sind sie groß wie in Chile.

(Herr T.) René fährt mit uns in ein Armenviertel. Er will uns einen Kindergarten zeigen, der Anfang der neunziger Jahre als soziales Projekt entstanden ist. René hat ihn damals mit aufgebaut und schaut immer noch oft vorbei. Diesmal bringt er einen Computermonitor mit. Die ersten Kinder, die in dieser Einrichtung einen festen Tagesablauf, ordentliche Mahlzeiten und Bildung bekommen haben, sind heute erwachsen. Manche studieren. Und aus einigen Mädchen dieses Kindergartens sind Erzieherinnen dieses Kindergartens geworden.

René ist bekannt in diesem Viertel. Trotzdem befestigt er, bevor wir aussteigen, eine Kralle am Lenkrad seines Autos.

Armutsviertel

(cw) Schwarzhaarige Kinder begrüßen uns. Sie fremdeln ein wenig, aber das muss man verstehen: Da kommen zwei Männer mit sonnenverbrannten Fressen, und ein paar Süßigkeiten hätten sie wenigstens mitbringen können.

(Herr T.) Es ist sehr idyllisch. Ein kleiner Hof. Sehr gepflegte Gruppenräume. Kinderbilder an den Wänden. In einem Büro sitzt eine junge Frau. Sie verbringt ihr Freiwilliges Soziales Jahr hier und ist natürlich aus Deutschland.

(cw) Herr T. horcht sie gleich mal aus.  Sie schaut genauso verängstigt wie eben die Kinder.

Wenn René Männer anspricht, nennt er sie entweder amigo oder maestro – je nach Bekanntheitsgrad. Der Bürokollege ist amigo – der Parkhauswächter maestro; der Polizist und der Tankwart auch. Und alle Frauen heißen Linda.

Armutsviertel

(Herr T.) Als wir wieder im Auto sitzen, flüstert mir CW zu, dass wir noch die Menschenrechtssituation in Chile ansprechen müssten. Da lasse ich ihm gern den Vortritt.

(cw) Ich bin erleichtert: Wir besuchen das Museum der Erinnerung und der Menschenrechte (Museo de Memoria y los Derechos Humanos). Es ist ein Wahnsinnsbau, riesengroß, lichtdurchflutet, museumspädagogisch vorbildlich mit vielen Originaldokumenten und Filmaufnahmen aus der Zeit der Pinochet-Diktatur (1973 bis 1990). Und berührend ist dieser Ort auch. An einer Wand hängen Schwarzweißfotos der Ermordeten, manche nicht älter als 13 oder 14. Und da sind die Kinderbilder aus der Zeit, als in Chile der Staat gefoltert und verfolgt und getötet hat. Gefängnisse und Strichmännchen mit Pistolen sind zu sehen. »Tengo mieda a que se muera mi mama«, hat ein Mädchen über sein Bild geschrieben. »Ich habe Angst, dass meine Mama stirbt.«

Museum

Wir stehen vor einem Bild des Fotografen Lucho Navarro. Es zeigt eine Bergruine von Lonquén. Dort, am Geburtsort des chilenischen Volkssängers Víctor Jara, selbst ein Opfer der Diktatur, fand man 1978 die Überreste von 15 ermordeten Männern. Sie waren fünf Jahre zuvor verhaftet worden und danach verschwunden.

(Herr T.)

Diese Entdeckung schockierte die Öffentlichkeit damals und wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte der Verfolgten und Verschwundenen von Chile. Es war eines der ersten Fotos, das die Militärdiktatur von General Augusto Pinochet entblößte.

(cw) Am Ende stehen wir vor einem Fernseher und schauen, wie das Volk im Nationalstadion die Rückkehr zur Demokratie feiert – in jenem Stadion, das in den ersten drei Monaten der Diktatur als Konzentrationslager für politische Gefangene genutzt wurde und Spielstätte des Vereins CF Universidad de Chile und der Fußballnationalmannschaft ist. »Typisch Chile«, sagt René.

Augusto Pinochet ist heute zwar nur noch etwas für Ewiggestrige, aber ein Besuchermagnet scheint das Museum trotzdem nicht zu sein. Ein paar Schulklassen sind unterwegs – und wir.

(Herr T.) Ewiggestrige, soso. Übrigens wird sich CW gleich morgen in Valparaíso eine Pinochet-Kaffeetasse kaufen. Und weil die von Pinochets demokratisch gewähltem Vorgänger Salvador Allende gleich daneben steht, kauft er die auch noch. CWs Humor.

(cw) Im Ausgang beginne ich einen Streit mit René. Er lädt uns zu allem ein, er hat das Mittagmenü samt Kaffee danach bezahlt und fährt uns jetzt seit fünf Stunden durch die Gegend. Ich wehre mich und bestehe darauf, dass das Abendessen auf unsere Rechnung geht. Herr T., german Geizhals, ist natürlich gerade jetzt sehr schweigsam.

(Herr T.) CW hat schon am Mittag bei René Chiles Nationalgericht Cazuela bestellt, eine kräftige Suppe mit Hühnchen und Maiskolben, und dann später noch mehrmals nachgefragt. CW denkt ja pausenlos ans Essen. Er scheint immer hungrig zu sein. Und wenn er gerade nicht hungrig ist, ist er durstig. Richtig übel wird‘s, wenn er hungrig und durstig ist.

(cw) Muss denn die Parkplatzsuche so lange dauern?

(Herr T.) Als René rechts ranfährt, stehen gleich zwei Polizisten an seinem Fenster. Er sagt: »Ich komme aus einem anderen Viertel. Darf ich hier parken? Ich habe zwei Deutsche im Auto.« Er darf.

(cw) Ich gebe zu: Es wäre für die Menschheit eine große Erleichterung, wenn ich tagsüber an einen Tropf angeschlossen wäre.

(Herr T.) Wir sind in einer Art Hinterhofbiergarten gelandet. In lauter und fröhlicher Atmosphäre werden uns Fleischgerichte serviert, deren Namen oder Zubereitung ich nicht annähernd verstehe. Am Nachbartisch feiert eine Chilenin ihren 23. Geburtstag. CW bekommt seine Cazuela und wirkt für einen Augenblick zufrieden mit sich, der Welt und mit mir.

(cw) Ein bisschen schmuddelig ist es hier schon, sagt mein Verstand. Mein Magen widerspricht ganz energisch. »Es horrible, pero es chileno«, sagt René. »Es ist schrecklich, aber chilenisch.« Dann fordert er das Geburtstagskind vom Nachbartisch zum Tanzen auf.

Terremoto

(Herr T.) Unser Gastgeber bestellt für uns das Getränk El Terremoto (Das Erdbeben), eine Mischung aus Fernet, Weißwein und Vanilleeis, das über einen Strohhalm zu sich genommen wird. CW flucht. Er könne das nicht trinken, sagt er, da er sonst einen wahnsinnigen Schädel kriegen würde.

(cw) Um diese Zeit, es ist kurz nach halb acht, hätte ich schon bei Vanilleeis mit Vanille Bedenken. Aber El Terremoto, das sieht aus und schmeckt nach schweren Verwüstungen und stundenlangen Aufräumarbeiten in meinem Körper.

(Herr T.) »Sei höflich und trink aus«, flüstere ich streng. Am Ende wird mir sogar noch ein zweiter Terremoto spendiert. Der Name erweist sich als sinnvoll. Leicht torkelnd verlasse ich das Restaurant und stelle mich an einen Buchstand.

Ich komme mit dem Händler ins Gespräch, der ein wenig Deutsch versteht. CW steht hinter mir, erneut genervt, auf seine nicht vorhandende Uhr schauend. Sein Mund formt still das Wort, das ihn immer zur Eile zwingt: »Toilette«. Ich verabschiede mich vom Buchhändler und erhalte sogar eine Visitenkarte.

(cw) Herr T. verehrt Johann Wolfgang von Goethe. Ganze Verse von Faust kann er herunterbeten. Bei mir ist aus Schulzeiten – warum eigentlich? – nur »der Geist, der stets verneint« hängen geblieben. Ich halte Goethe insgesamt für überschätzt.

Jetzt hat Herr T. endlich Fausto gekauft, den Faust auf Spanisch. Er ist schwer glücklich und leicht betrunken.

Ich bekomme Kopfweh.

Fortsetzung folgt.

Reisebericht (I) : Exil in Chile

von CHRISTOPH WESEMANN

Herr T. lebt für ein Jahr in Buenos Aires. Kommt klar. Muss aber als Tourist, der er laut Reisepass ist, stets nach drei Monaten fluchtartig das Land verlassen, um wieder einreisen zu dürfen. Als Tourist. Tut das nun zum ersten Mal und wählt als Einwochenexil Santiago de Chile und Valparaíso. Wird begleitet von CW. Der ist kein Tourist, sondern Argentinier. Genauer: Porteño. Seit Juli 2012. Kennt Herrn T. kaum und Chile überhaupt nicht.

Teil 1 des Reiseberichts unserer beiden Helden

  • Sonnabend/Sonntag: Buenos Aires → Santiago de Chile

(cw) Ich mache mir Sorgen um Herrn T. Muss der Kerl eigentlich nie aufs Klo? Seit acht Stunden sitzen wir nebeneinander im Bus, unterwegs nach Santiago de Chile. Ich schlürfe Mate ohne Pause und kenne die Toilette bereits in- und auswendig. Herr T. kann trinken, ohne zu pinkeln. Ja, er ist ein bisschen jünger als ich, zehn Jahre oder so, man sieht uns den Altersunterschied nicht an. Nur beim Harndrang wird er offensichtlich.

Ich habe mir mehr von meinem Begleiter versprochen, eine Hilfe ist Herr T. jedenfalls kaum. Er versteht den nuschelnden Busbegleiter, der die Verpflegung reicht, genauso wenig wie ich. Der kommt zum Beispiel mit einer Kanne und sagt: »©€® ¥∞µƔ ƈǂƾɀ ɞɷʄῶ⁞ Ωⅎ ⌂ ∩◊◌⸗ cafe.« Herr T. schaut mich an, ich schaue Herrn T. an, wir nicken und kriegen Kaffee.

Ich erzähle Herrn T., dass ich im Argentinischen Tagebuch einen baldigen Streit zwischen uns angekündigt hätte, wir seien bereits in Verzug. Er lacht, er nimmt mich nicht ernst.

(Herr T.) Auf unserer 20-stündigen Reise nach Chile sitzen CW und ich direkt vor der Bord-Toilette. Während ich den Vorteil daraus ziehe, in aller Kürze jeden unserer Mitreisenden zu studieren, scheint CW dadurch nur inspiriert, ständig in der engen Kabine zu verschwinden.

Ich stelle fest: Wir sind die einzigen Deutschen im Bus. Pardon. Ich bin der einzige Deutsche im Bus. CW bezeichnet sich – mit stets überschwänglicher Gestik und lauter Stimme – als Porteño, als Bürger der argentinischen Hauptstadt. Ich werde dafür später den Ausdruck Überintegration verwenden.

(cw) Mitten in der Nacht, es mag vier Uhr sein, hält der Bus auf einem Bahnhofsvorplatz, um noch ein Paar einzusammeln. Ich steige kurz aus, um mir das Kribbeln aus den Beinen zu hüpfen, sehe eine Prostituierte und treffe den Busbegleiter.

»Wo sind wir?«, frage ich.

»Was?«

»Wo sind wir?«

»$&@Ω^†™#◊_Œ⸗.«

»Ah, danke«, sage ich und gehe wieder schlafen, ich versuche es jedenfalls. Die Sitzlehne lässt sich zurückklappen, es gibt ein Kissen und eine Decke, aber ein Bett ist das natürlich nicht.

(Auf der Rückfahrt mit einem anderen Bus-Unternehmen, aber das wissen wir noch nicht, wird es weder Kissen noch Decken geben. Den Mann, den wir anfangs für unseren Verpfleger halten, werden wir prächtig verstehen. Wir wissen dann nur nicht, wozu. Er verpflegt uns nämlich nicht.)

Als ich aufwache, sind wir bereits in den Anden und beginnen mit dem Aufstieg zum Grenzübergang. Die Aussicht ist atemberaubend. Links und rechts, vorne und hinten, wohin man auch schaut: Berge, Berge, Berge. Schnee auf den Kuppen. Bäche neben der Straße. Die Natur macht sich rarer mit jedem Kilometer, zieht sich zurück, spart an Farben und an Vielfalt. Die Welt ganz oben ist grau mit einigen grünen Tupfern.

Der Bus jagt durch die Kurven. Manchmal gibt es Leitplanken. Ich stehpinkele, mittlerweile zum Leidwesen meiner Schuhe, schon wieder.

(Herr T.) CW ist der einzige, der im Reisebus bei voller Fahrt versucht, seinen Mate zu trinken. Und als hätte ich es nicht geahnt – muss ich alle zwei Minuten doch irgendwas für ihn halten –, kippt ihm der Becher dreimal um. Zum Vergleich: Echte Argentinier schaffen es sogar, zu zweit auf einem fahrenden Motorroller Mate zu trinken, ohne etwas zu verschütten. Ich überquere die Grenze schließlich mit nassem Mateschlamm unter meinen Füßen.

Auf der Rückfahrt wird CW seinen Mate verlieren. Wo? Auf der Bustoilette natürlich. Der Becher rutscht ihm aus der Hand und verschwindet in den gesammelten Ausscheidungen aller Passagiere.

◊◊◊◊◊

  • Sonntagnachmittag: Santiago de Chile

(cw) In Buenos Aires, ein paar Tage vor der Abfahrt, hatte Herr T. versprochen, alles zu organisieren. Nichts, fast nichts, ist organisiert! Erst versteht man im Bus kein Wort, jetzt suchen wir eine Herberge für die erste Nacht in der chilenischen Hauptstadt. Er hat natürlich nichts reserviert, er besitzt nur einen Haufen Adressen von Hostels, die er auf dem Stadtplan aber nur mit meiner Hilfe findet. Ich komme mir vor wie Josef an Heiligabend. Herr T. könnte Maria sein, einen Bauch hat er jedenfalls. Für den bin ich genauso wenig verantwortlich wie Josef für Marias. Der Bauch heißt auf Spanisch übrigens la panza und ist feminin.

Als Herr T. duscht, schleiche ich aus dem Zimmer und hole mir auf der Plaza de Armas, dem zentralen Platz der Hauptstadt, zwei Hotdogs. In Buenos Aires heißen sie panchos, hier completos, und sie werden mit Avocadocreme gereicht. Ich verschlinge sie und bewundere meinen Magen: erst die Anden rauf, dann die Anden runter, jetzt zwei Hotdogs, umspült von einer eiskalten Cola. Respekt, Magen!

(Herr T.) Statt des günstigen Achtmannzimmers musste es natürlich die Suite für Ehepaare sein. 60 Euro die Nacht. Santiago ist eine Millionenstadt. Es gibt dutzende Hostels. Wer öfter reist, weiß, dass man gar nicht zu reservieren braucht. CW weiß das nicht. So forderte er nach einem Örtchen für seine Notdurft sofort absolute Ortskenntnis. Abgesehen vom Kauf des Stadtplanes machte sich CW selten nützlich. Während ich die Konditionen der Zimmer erfragte, betonte er nur stets Porteño zu sein, was in Chile aber nicht sonderlich hilfreich ist. Sowohl Argentinier als auch Chilenen halten sich für was Besseres. Wahrscheinlich haben wir deshalb auch das Honeymoon-Zimmer bekommen. CW meckerte, ich resignierte. Es gab zwei Kissen, aber nur eine Decke. Ich überließ sie ihm mit Freuden. Hauptsache, ein richtiges Bett nach der langen Busfahrt. Endlich entspannen!

(cw) Ich schlafe nicht mit sechs fremden Männern und einem Deutschen in einem Zimmer. Ich bin fast 35 Jahre alt. Ich mache das nicht mehr. Ja, ich hätte das wohl auch mit 25 nicht gemacht. Bei acht Männern in einem Zimmer sind garantiert zwei dabei, die laut schnarchen und mich um den Schlaf bringen, den ich in meinem fortgeschrittenen Alter brauche.

(Herr T.) Ich muss CW in der Nacht mehrmals boxen. Er schnarcht. Unter der dicken Tagesdecke ist es wahnsinnig heiß.

◊◊◊◊◊

  • Montag: Santiago de Chile

(cw) Wir wollen mit der Seilbahn hinauf auf den San Cristóbal, den Hügel über Santiago, benannt nach dem Heiligen Christophorus, nach dem ich ja auch benannt bin. 880 Meter über dem Meeresspiegel steht die Statue der Jungfrau Maria. Der Papst war auch schon da: Johannes Paul II. hat 1987 eine Messe gehalten.

Ich glaube ja nicht, dass sich Herr T. traut, er wird kurz vor Abfahrt eine Zerrung in der Achselhöhle vortäuschen, dieses Wohlstandskind. Ich habe im Juli 2009 mit der Krimseilbahn den Ai-Petri – Gipfelkreuz auf 1234 Metern – bezwungen. Drei Kilometer durch die Lüfte! Erbaut in nur 20 Jahren! Sowjetische Ingenieurskunst!

An der Kasse dauert‘s länger, Herr T. scheint zu verhandeln, wahrscheinlich versucht er den Preis zu drücken, der Pfennigfuchser, oder er hat – versehentlich, na klar – Karten für den Zoo nebenan gekauft und kann die jetzt nicht umtauschen.

Er kommt wieder und täuscht Niedergeschlagenheit vor. Die Seilbahn wird repariert, also ist jedenfalls kaputt. Uns bleibt nur der Bus hinauf.

(Herr T.) Da bin ich einmal in meinem Leben in Santiago und will mit der Seilbahn fahren. Sie ist kaputt. Schmollend esse ich meine Bananenchips – ein Überbleibsel meiner Flugreise nach Buenos Aires – und biete CW welche an. Er spuckt sie aus.

Oben angekommen, vergesse ich meinen Kummer. Der Ausblick ist wunderbar. Wir sind keine 1000 Meter über der Stadt, aber können alles überblicken. Hinter uns thront die 22 Meter hohe Statue der Jungfrau Maria, ein Krippenspiel ist aufgebaut. Ich versuche, den Ausblick zu genießen und Fotos zu machen. CW zerstört die Idylle: »Ich will eine Cola!«, schreit er, sichtlich schwitzend, den Abhang hinab. »Mach mal ein Foto von mir«, fordert er, »meinen Rücken vor dem Panorama.« Ich knipse ein paar Fotos. CW ist nicht zufrieden: »Was machst du denn? Da ist ja meine Nase mit drauf. Ich zeig dir mal, wie ich das meine. Stell dich da mal hin!« Er fotografiert mich, zeigt mir, wie er es haben will. Ich verstehe. Er will seinen Zinken auf keinem Bild wiederfinden. Dann halt nur Bilder vom Hinterkopf. Ist vielleicht auch besser so. Ich fotografiere, wie befohlen und … CW ist nicht zufrieden. »Warum sehe ich nicht so cool aus wie du?«, fragt er. Es wird das einzige Kompliment sein, das ich je von ihm höre.

Bereits beim Umzug von einer Schlafmöglichkeit in die andere haben wir festgestellt, dass es in Santiago von Deutschen nur so wimmelt. Alleine in unserem neuen Hostel arbeiten vier deutschsprachige Mädchen. Und auch auf dem Hügel treffen wir eine Deutsche, die uns nach längerem Smalltalk ein Restaurant empfiehlt. Durch die Anwesenheit der Deutschen fühlt sich CW belästigt. Anscheinend hat er Angst, dass ihm niemand seine Porteño-Masche abkauft, wenn er unter Deutschen wandelt. Zu seinem Glück werde ich durch meinen Akzent immer für einen Franzosen gehalten.

(cw) Der Franzose muss endlich etwas Vernünftiges essen! Nicht immer nur diese Bananenchips, die nach gepressten Holzspänen schmecken und auch so aussehen. Wenn er nichts gegessen hat, ist er so empfindlich. Nachdem wir den San Cristóbal hinabgestiegen sind, spendiere ich ihm erst mal zwei completos.

(Herr T.) Wie CW completos isst, hat was Groteskes. Japsend, mehr schluckend als kauend, braucht er für einen ganzen completo keine 60 Sekunden.

(cw) Wir laufen ein bisschen durch die Innenstadt von Santiago. Ich kaufe für umgerechnet zwölf Euro einen Sonnenhut, den ich auf der Rückreise nach Buenos Aires irgendwo verlieren werde. An jeder Straßenkreuzung fährt Herr T. mit seinem Zeigefinger über den Stadtplan, den er danach immer wieder ordentlich zusammenfaltet, ehe er an der nächsten Straßenkreuzung … Er kann nicht loslassen. Ich lasse mich an fremden Orten treiben. Ich bin quasi überall zu Hause.

(Herr T.) Überall zu Hause? Der hässliche Hut – den ich bezahlen musste, weil CW kein Geld hat – lässt jeden Einwohner Chiles sofort erkennen, dass er Tourist ist. Wenn er dann wild fuchtelnd behauptet, Argentinier zu sein, müssen sich diese schon fast beleidigt fühlen. Bevor wir uns zum Abendessen aufmachen, brauchen wir eine Pause im Hostel. Besser gesagt, CW braucht eine Pause, er ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Außerdem ärgern ihn seine Zweiminutencompletos vom Nachmittag ein bisschen.

Wir stehen schließlich vor einem Frisör und sind verwirrt. Hier soll man essen können? In der Tat! Ein Seiteneingang führt uns zu einem schicken und verwinkelten Restaurant. Wir kriegen die Karte und verzweifeln. Mein Wortschatz erweitert sich zwar täglich, aber Meerestiere gehören (noch) nicht dazu.

(cw) Ich neige zum Carpaccio del pulpo. Frage vorher Herrn T., was das für ein Tier sein könnte.

(Herr T.) Ich bitte den Kellner, mir auf Spanisch zu erklären, was ein pulpo sei. Er formt die Hände so, als würde er einen Ball halten. »Un calamar«, sagt er und schaut mich an. Dann grinst er, reißt seine Augen weit auf. Wahnsinn funkelt auf. »Un calamar grande«, wiederholt er. »Gra-Gracias«, stottere ich leicht eingeschüchtert und bestelle Seehecht.

(cw) Ich nehme Riesenkrake, natürlich.

Fortsetzung folgt

Betriebsferien

von CHRISTOPH WESEMANN

Gleich fahre ich mit meinem Begleiter Herrn T. nach Santiago de Chile – Ankunft: irgendwann nach mehr als 20 Stunden im Komfortbus. Wir planen, sieben, acht, neun Tage unterwegs zu sein. Wahrscheinlich werden wir uns aber schon am Ortsausgang von Buenos Aires zerstritten haben. Mal schauen, ob ich mich aus Chile melde, ein bisschen Technik ist im Gepäck.

Ich habe, weil wir ja [Argi-Arroganz an] ein viel weniger zivilisiertes Land bereisen [Argi-Arroganz aus], meinen Brustbeutel aus den Ferienlagerzeiten 1988-1990 ausgegraben.


Argentinische Helden

Papst Franziskus, gezeichnet von Danü (c)

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Steckbrief

Wir sind schnell.
Wir sind Wortmetze. Wir haben einen profunden geistes-
wissenschaftlichen Hintergrund. Wir sind böse, sexy und klug. Wir können saufen wie die Kutscher, haben Kant gelesen und nicht verstanden, aber das merkt keiner, und schlafen nie.


Gegründet 2012 von Christoph Wesemann in Buenos Aires

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