Posts Tagged ‘Kolumbien’

Die Nach-WM-Blues-Komödie

von MARC KOCH & CHRISTOPH WESEMANN

Logo des WM-Tagebuchs - Zeichung: Danü (Daniel Schlierenzauer)

CW. Ich fliege dann mal für ein paar Wochen nach Deutschland, ja? Mit Familie.

MC. Das ist böse! Was soll ich denn jetzt machen? Ohne WM? Und ohne Deine unqualifizierten Kommentare? Noch nicht mal argentinischen Fußball gibt’s. Das wird blöd.

CW. Ich falle ja mit Dir in ein tiefes schwarzes Loch.

MC. Doch eher in ein weiß-himmelblaues! Aber nur, wenn Du Dein Argentinientrikot inzwischen gewaschen hast.

Trikothund

CW. Das Leben ist für die nächsten vier Jahre vollkommen sinnlos. Vier! Jahre! Mindestens. Eher mehr. Denn WM 2018 in Russland wird schlimm. Katar 2022 auch. Also 2026!

MC. Ecuador, Peru und Kolumbien wollen die WM ja angeblich gemeinsam machen. Dann sind wir wieder am Start!

CW. Danü kann schon mal ein Logo fürs WM-Tagebuch entwerfen.

MC. Da dann Opa Klose immer noch der einzige echte deutsche Stürmer sein wird, verlange ich, dass er grafisch besonders gewürdigt wird! Zumal er voraussichtlich sein 25. WM-Tor schießen wird. Und Fifa-Chef Sepp ist dann, lass mich rechnen, Jahrgang 1936, neunzig. Der gehört selbstverständlich in einen Rollstuhl! Mit Brillanten auf den Speichen! Nur der kleine Vizeweltmeister da rechts – der wird durch den kleinen Weltmeister-Kapitän ersetzt!

CW. Wir könnten 2025 vielleicht schon mal eine Komödie raushauen.

MC. Auch Pablo sollte jetzt schon wissen, dass er die Eintrittskarten fürs letzte Testspiel besorgen muss. Nicht, dass das wieder so eine Zitterpartie wird.

CW. Pablo treffen wir sowieso im Loch, glaube ich.

MC. Oh je, mit zwei argentinischen Vizeweltmeistern im Loch, ich weiß ja nicht. Da bluten mir die Ohren, weil jeder dem anderen dauernd erzählt, warum Ihr diesmal verloren habt. Schiri?

CW. Die blauen Trikots!

Die hochspekulative Komödie

von MARC KOCH & CHRISTOPH WESEMANN

Logo des WM-Tagebuchs - Zeichung: Danü (Daniel Schlierenzauer)

*****

Zwei Deutsche in Buenos Aires schreiben sich Kurznachrichten und plaudern über Fußball und den Rest.

CW. Wann spielt der nächste Weltmeister sein Viertelfinale? Sonnabendmittag? (Erbitte argentinische Anstoßzeit.)

MC. Freitag um fünf.

CW. Hahaha. Jetzt auch Kolumbianer, he?

MC. Klar! Oder Belgier. Alle anderen können gehen.

CW. Du warst ja auch schon Holländer, Chilene und Franzose.

MC. Nur für einzelne Spiele. Es muss verhindert werden, dass der hässliche Fußball Weltmeister wird. Um jeden Preis.

CW. Ein Idealist. Ein Schöngeist. Wie putzig! Ich komme gleich zum Streicheln vorbei.

MC. Aber zieh Dir vorher ein sauberes Trikot an!

CW. Argentinien hat alle Spiele gewonnen. Ich darf nicht waschen. Bringt Unglück.

MC. Wir brauchen übrigens einen Plan.

CW. Fürs Leben?

MC. Nein. Vielleicht doch. Ja, bestimmt. Ich meine aber: fürs Viertelfinale. Wir müssen reagieren, wenn Deutschland, Brasilien und Argentinien rausfliegen. Wer macht wen fertig?

CW. Puh.

MC. Als der authentische Argentinier, der Du ja bist, müsstest Du natürlich Deinen Jungs umgehend in den Rücken fallen. Wenn sie gegen Belgien am Sonnabend verlieren …

CW. … dann war mir das spätestens vor einer Woche längst klar.

MC. Zu spät! Viel zu spät! Du hast nie an diese Mannschaft geglaubt. Nie!

CW. Ich habe nie an diese Mannschaft geglaubt. Nie!

MC. Gut so. Ich nehme an, Brasilien machst Du dann gleich mit fertig.

CW. Ehrensache.

MC. Dann bin ich der deutsche Stammtisch. Wir sollten überlegen, wie wir das anpacken. Es soll ja originell werden.

CW. Was können wir, was die anderen nicht können? Was haben wir, was die anderen nicht haben? Wie sind wir? Und wie sind die anderen nicht?

MC. Wir sind schnell. Wir sind Wortmetze. Wir haben einen profunden geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Wir sind böse, sexy und klug. Wir können saufen wie die Kutscher, haben Kant gelesen und nicht verstanden, aber das merkt keiner, und schlafen nie. Mehr?


Argentinische Helden

Diego Maradona, gezeichnet von Danü (c)

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Steckbrief

Wir sind schnell.
Wir sind Wortmetze. Wir haben einen profunden geistes-
wissenschaftlichen Hintergrund. Wir sind böse, sexy und klug. Wir können saufen wie die Kutscher, haben Kant gelesen und nicht verstanden, aber das merkt keiner, und schlafen nie.


2012 von Christoph Wesemann in Buenos Aires gegründet. Derzeit im Exil. (Berlin)